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Zeittafel

- zusammengestellt von Henrik Schulze -

Diese Zeittafel kann nur einen sehr groben Überblick zu der vielfältigen Geschichte Jüterbogs geben. Sie bildet nur eine kleine Auswahl von Daten aus dem Archivs des Ortschronisten. Die Chronologie der Militärgeschichte findet sich an einem gesonderten Platz, ist also in dieser Darstellung ausgeklammert. Dennoch sei darauf hingewiesen, daß sich viele Entwicklungen der Kommunalgeschichte nur im Zusammenhang mit der Garnisongeschichte zu verstehen sind.

Es wurde im Text auf Quellenangaben verzichtet. Wer mehr zur Geschichte wissen möchte, sehe unter Veröffentlichungen (im Neuaufbau) nach.Wenn keine nähere Ortsangabe erfolgt, dann ist Jüterbog gemeint. Es besteht keine Gewähr auf Fehlerlosigkeit. Hinweise zur Verbesserung werden gern entgegen genommen.

Bei der Weiterverwendung von Daten aus dieser Chronologie wird auf das Urheberrecht verwiesen. Es ehrt den Verfasser, seine Formulierungen in diversen Druckschriften wörtlich wieder zu finden; schön wäre, wenn die Abschreiber zumindest den Verfasser angeben würden, von dem sie "ihr Wissen“ entnommen haben.

4000 v.u.Z. Ansiedlung von Linienbandkeramikern in der Nuthe-Niederung. Bodenfunde südlich der heutigen Stadt gingen als "älteste bäuerliche Siedlung der Mark" in die Literatur ein.
6./7. Jh. Slawische Stämme ziehen als Ergebnis der Völkerwanderung in das bisher von Germanen bevölkerte Siedlungsgebiet.
789 Nach sagenhaften Berichten ist Karl der Große in diesem Jahr bei einem Feldzug, der ab Magdeburg über die Elbe ging, im Raum zwischen Treuenbrietzen und Luckenwalde weiter gen Osten gegen die slawischen Wilzen gezogen. Frankenfelde und Frankenförde hätten nach dieser Legende ihren Namen.
928 König Heinrich I. (919 – 936) erobert in diesem Winter mit dem befestigten Platz "Brandenburg" den Hauptort der slawischen Heveller.
948 König Otto I. der Große (936 - 973), stiftet die Missions-Bistümer Brandenburg und Havelberg. Er stattet das Bistum Brandenburg mit Zehntrechten und Burgwarden aus, um die Bischöfe wirtschaftlich und politisch abzusichern. Der Missionssprengel Brandenburg besteht aus zehn Gauen des Slawenlandes zwischen Elbe, Schwarzer Elster und Oder, wozu auch das Land Jüterbog gehört.
962 König Otto I. wird deutscher Kaiser und der Papst billigt Magdeburg einen Erzbischofsitz zu.
968 Kaiser Otto I. stiftet das Erzbistum Magdeburg. Erster Erzbischof ist Adalbert von Trier, ein Freund und Berater des Kaisers. Gleichzeitig werden die nachgeordneten sorbenländischen Bistümer Zeitz, Merseburg und Meißen geschaffen. Bischofsitze sind die gleichnamigen Burgen. Dem neu gegründeten Erzbistum Magdeburg werden die zwanzig Jahre zuvor gegründeten Bistümer Havelberg und Brandenburg als Suffraganbistümer zugeordnet.
983 Eine Niederlage von Kaiser Otto II. (973 - 983) in Italien nutzen die Slawen zu einem Aufstand gegen die Deutsche Obrigkeit. Im Juni greifen Lutizen und Heveller Havelberg und wenige Tage später Brandenburg an. Brandenburg und Havelberg werden niedergebrannt. Bischof Folkmar flieht aus Brandenburg, sein Bistum geht de facto wieder verloren, besteht aber de jure im Kaiserreich weiter fort.
993 König Otto III. schenkt im Juli Poztupimi (Potsdam) und Geleti (Geltow) seiner Tante Mathilde, der Äbtissin in Quedlinburg. Brandenburg wird nach dem Slawenaufstand von 983 militärisch wieder gesichert.
1002 Einfälle von Polen in die Mark. Sie dauern bis 1031 an. Ihr König Boleslaw Chrobry (992 – 1025), "der Kühne", erobert die Burg Meißen.
1005 Kaiser Heinrich II. verdrängt Boleslaw aus dem Elbegebiet. Der Magdeburger Erzbischof Adelgot ruft weltliche u. geistliche Herren in Sachsen, Lothringen, Franken und Flandern auf, im Slawenland zu siedeln: "verderbt sind jede Heiden, aber ihr Land ist das beste..."
1007 Erste schriftliche Erwähnung des Siedlungsplatzes Jüterbog. Thietmar von Merseburg, Begleiter des Erzbischofs Tagino von Magdeburg auf einem Feldzug gegen den Polenkönig Boleslaw Chobry, berichtet in seiner Sachsenchronik:"... Als wir alle an einem Ort, der Jutriboc genannt wurde, gekommen waren, schien es den Klügsten nicht ratsam, den Feinden mit einer so kleinen Schar auf dem Fuße zu folgen und wir kehrten um."
1157 Albrecht der Bär erobert endgültig die Slawenfestung Brandenburg. Der Magdeburger Erzbischof Wichmann leistet ihm Waffenhilfe und erwirbt dabei ein Territorium, das fortan das Jüterboger Land heißt. In der Magdeburger Schöppenchronik liest sich die Geschichte so:"dusse bishop Wichman bedwang dat land to Juterboc und satte dar bure und makede dat Land dissem godeshuse tinshaftich." Kolonisten aus Holland und Flandern, "die ann de ze woonden", geben dem Landstrich den Namen: Fläming.
1160/61 Die Burgwardei Jüterbog wird durch Bischof Wilmar von Brandenburg, dem geistlichen Oberhirten des Landes, dem Archidiakonat des Brandenburgischen Domkapitels zugeordnet. Damit erste Erwähnung einer Jüterboger Burg mit erzbischöflicher Vogtei.
1170 Um diese Zeit siedeln sich in Jüterbog Mönche vom Orden der Prämonstratenser und in Zinna Zisterzienser an.
1174 Am 29. April bekommt Jüterbog Stadtrecht. Erzbischof Wichmann gibt der befestigten Kolonistensiedlung "die Freiheit des Rechts, dessen sich die Stadt Magdeburg erfreut", zugleich wird die Liebfrauenkirche auf dem Damm zur Hauptkirche des Landes, ecclesia principalis, erhoben.
1179 Die slawische Bevölkerung nutzt die Auseinandersetzung zwischen Heinrich dem Löwen und Kaiser Friedrich Barbarossa und erhebt sich gegen die deutschen Kolonisten. Ebenso wie das 1170/71 in Zinna gegründete Zisterzienserkloster wird auch die junge Stadt stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Zinnaer Mönche suchen und finden in der Stadt Schutz.
1268 Erzbischof Conrad I. übereignet der Stadt den Platz für eine Wassermühle an der Nuthe, die zur Bürgermühle wird. Außerdem darf die Stadt eine ältere Burgstelle in ihr Eigentum nehmen. Steine dieser Burg finden Verwendung beim Bau der Bürgermühle.
1282 Erste Erwähnung eines Rates als Organ partieller Selbstverwaltung Jüterbogs. An dessen Spitze steht ab der zweiten Hälfte des 14. Jh. ein Bürgermeister.
1285 Erzbischof Erich erlaubt den Jüterbogern den Bau eines Kaufhauses am Markt, aus dem später das Rathaus entsteht. Auch werden die Pflasterung von Straßen und die Gründung von Gasthöfen veranlaßt.
1319 Mit dem Tod des Markgrafen Waldemar, des letzten Sproß der brandenburgischen Linie des Anhaltinischen Hauses, beginnt für 100 Jahre eine schwere Zeit für die Mark, die auch Jüterbog in Mitleidenschaft zieht. Für Verwirrung und kriegerische Auseinandersetzungen sorgen Doppelgänger des Verstorbenen, die von bestimmten Fürsten protegiert werden. Als die Nachbarstadt Brietzen 1348 dem falschen Waldemar die Tore versperrt, verdient sie sich den Namen Treuenbrietzen.
1330 Entstehung des Hospitals zum Heiligen Geist als „Quelle der Frömmigkeit und Mildtätigkeit“ für alte, gebrechliche Leute und arme Reisende, Scholare u. dgl. Im nächsten Jahr wirbt Erzbischof Otto mit einem Ablaßbrief für das Hospital, der 40tägige Sündenvergebung verspricht.
1342 Gegen die Nikolaikirche wird ein kleiner Kirchenbann, ein Interdikt, verhängt. Die Ursache dafür ist heute unbekannt.
1350 Papst Innocenz bestätigt zu Avignon den Altar des Hl. Erasmus in der Nikolaikirche. Er war gestiftet worden durch Bernhard v. Züden, Kanonikus in Hildesheim, und Heinrich von Züden in Brandenburg.
1377 Die Bürgermühle ist privatisiert. Bürgermüller Peter Nygemann hat der Stadt pro Quartal vier Pfund Pfennige Abgabe zu zahlen.
1406 Rudolf III., Kurfürst von Sachsen, erobert in einer Fehde mit Erzbischof Günther Burg und Stadt Jüterbog, die er vier Jahre später gegen Lösegeld zurückgibt.
1410 Im Jahre des Abzugs des sächsischen Kurfürsten erkauft sich die Stadt für die Zahlung von 400 böhmischen Groschen vom Erzbischof das Recht, daß Burg und Stadt nie mehr von einander geschieden werden sollen.
1417 Sechs Anhänger der hussitischen Lehre werden auf dem Marktplatz als Ketzer verbrannt.
1473 Von nun an wird die Stadt regiert von 18 Ratsherren und drei Bürgermeistern, die sich regelmäßig im Amt ablösen, „rotieren“.
1478 Am 11. November, dem Martini-Abend, sinkt der größte Teil der Stadt durch eine Brandkatastrophe in Schutt und Asche. Von 356 Häusern fielen 300 dem Feuer zum Opfer. Im Rahmen des Wiederaufbaus, zielgerichtet gefördert durch den Erzbischof Ernst, entstehen viele Gebäude größer und schöner als zuvor. Nicht zuletzt die Stadtbefestigung wird umfassend vervollkommnet.
1506 Erzbischof Ernst stiftet der Stadt zum Abschluß des 1490 begonnenen Neubaus des Rathauses eine Statue des Hl. Mauritius, der als Schutzpatron an der Nordostecke des Gebäudes seinen Platz findet. Das Original des 1957 kopierten Standbildes befindet sich heute im Heimatmuseum.
1517 Jüterbog gibt den Anlaß zur Reformation: Johann Tetzel, päpstlicher Ablaßhändler, betreibt mit dem Slogan „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele vom Fegefeuer in den Himmel springt“ sein Geschäft in Jüterbog, weshalb Martin Luther in Wittenberg eine 95 Thesen verfaßt, die Tetzel im gleichen Jahr wiederum in Jüterbog öffentlich verbrennt.
1519 „Kanzelkrieg“ in Jüterbog. Franz Günther, Jüterboger Stadtpfarrer, der als erster Theologe beim Prof. Luther nach der neuen Lehre promoviert hatte, bekommt Redeverbot wegen zu provokanter Predigt. Sein Ersatzmann, ein Bruder Thomas, der spätere Bauernkriegsprediger Thomas Müntzer, fordert die päpstliche Partei noch mehr heraus und wird von den hiesigen Franziskanern beim Bischof als „Lutheraner“ denunziert, womit dieser Begriff erstmals in deutscher Sprache auftritt. Und das auch noch auf einen Mann bezogen, der das „sanftlebende Fleisch zu Wittenberg“ verurteilt, weil Luther wider die räuberischen Bauern wettert und die Partei der Fürsten ergreift.
1534 Hans Kohlhase, den Kleist zum Michael Kohlhaas macht, ist am 6. Dezember im Rathaus, wo er mit dem sächsischen Adel wegen der ihm geraubten Pferde einen Vergleich aushandelt, den jedoch der sächsische Kurfürst annulliert, weil nach seiner Sicht ein Bürgerlicher unmöglich Gleichbehandlung mit „Blaublütigen“ einfordern darf. Der Berliner Kaufmann versucht in einem Guerillakrieg schließlich aus seinen Landesherren, den brandenburgischen Kurfürsten zur Parteinahme für ihn zu nötigen und endet 1540 in Berlin auf dem Schafott.
1540 Die Stadt erkauft sich die Religionsfreiheit, was bedeutet, daß nun alle Lutheraner werden müssen. Die Äbtissin heiratet den Probst des Nonnenklosters auf dem Damm (ein Zeichen dafür, daß sie sich wohl vorher schon sympathisch waren). Der Probst übernimmt von nun an die Rolle eines evangelischen Superintendenten.
1547 Spanische Soldaten, katholische Kriegspartei des Kaisers, plündern die hiesige Gegend aus, so auch das Zisterzienserinnenkloster in der Damm-Vorstadt.
1548 Jüterboger Religionsgespräche unter Teilnahme Philipp Melanchthons. Im Folgejahr beraten Moritz von Sachsen, Joachim II. von Brandenburg, Georg III. von Anhalt, Melanchthon, Agricola u. a. hier, "was mit gutem Gewissen den Papisten könne nachgegeben werden, um Beschwerung zu vermeiden."
1553 Fast die gesamt Vorstadt Damm brennt bei einem Großfeuer ab.
1562 Am 9 Februar zerstört ein Sturm die Pyramide auf dem Nordturm der Nikolaikirche. Den barocken Nachfolgebau nennt der Chronist Heffter einen „albernen neuen Hut“. Eine Kirchenvisitation stellt im Nonnenkloster noch drei Nonnen des alten Glaubens fest, für deren Unterhalt die Stadt sorgt.
1611 Ein Fürstentag zu Jüterbog, der vom 1. Februar bis zum 21. März stattfindet, bildet eines von mehreren großen politischen „Gipfeltreffen“, die von 1549 bis 1633 in der Stadt veranstaltet werden.
1620 Die Stadt hat rund 4.000 Einwohner und ist damit eine der größten in der Umgebung.
1625 Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) erreicht die Stadt. Kaiserliche Kroaten besiegen die Truppen des Landesherren Christian Wilhelm in der Stadt. Von dem vergossenen Blut soll die Straße „Rothes Meer“ in der Altstadt ihren Namen haben. Jüterbog dient zahlreichen Feldherren als Quartier (Wallenstein 1626, Gustav Adolf 1631, Wrangel und Banner 1637, Gallas 1639, Torstenson 1641) und wird entsprechend ausgeplündert. 1644 findet auf der Birkheide eine große Reiterschlacht statt, die Schweden siegen, es bleiben 4000 Tote zurück. Zum Kriegsende sind von der Einwohnerschaft nur noch 300 Bürger übrig, vorher waren es mehr als 4000. Erst 1855 wird die Zahl der bewohnten Häuser von 1620 wieder erreicht.
1656 Die Stadt, seit 1635 kursächsisch, kommt zum Herzogtum Querfurt der Linie Sachsen-Weißenfels.
1675 Der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm von Brandenburg, unternimmt im Auftrage des Kaisers eine Strafexpedition gegen Herzog August von Sachsen, wodurch Jüterbog für drei Jahre eine brandenburgische Zwangseinquartierung erhält.
1680 Das alte Magdeburger Stiftsland fällt in Form eines Herzogtums zum größten Teil an Brandenburg und weil Friedrich Wilhelm die Grenzen sperrt, so verliert Jüterbog wichtige wirtschaftliche Grundlagen, z. B. für die Tuchmacherei zwei Drittel seiner früheren Absatzgebiete. Der nahe gelegene nördliche Nachbarort Kloster Zinna ist bereits Brandenburgisch und damit Ausland.
1694 Der sächsische Kurfürst Johann Georg IV. stirbt an Blattern. Zur Regierung kommt unvorhergesehen sein Bruder Friedrich August I., nun als "August der Starke" Kurfürst von Sachsen (1694 - 1733) und bald darauf König von Polen (1697 - 1733), womit Jüterbog erstmals einen König als Landesherren hat. Kursachsen ist zu der Zeit eines der größten und entwickelten deutschen Länder, „das Augustinische Zeitalter“.
1704 Vorkommnis am Stadttor beim Eintreiben des Zolls, daß "sich ein Frömder nicht entblödet, bei Durchsehung der Zettel den Degen zu ziehen und den Thorschreiber nach dem Kopfe zu hauen und davon zu jagen, weil er am Außentor keine Wache vermerkt."
1746 Die Stadt wird Garnison für eine sächsische Truppe.
1756 Am 29. August wird zum Auftakt des Siebenjährigen Krieges Jüterbog durch Friedrich den Großen besetzt.
1779 Die Stadt hat 1.430 Einwohner.
1788 Am 18. November fällt der Schnee bis zu 10 Ellen hoch und bleibt bis zum 10. Januar des Folgejahres liegen.
1806 Der französische Marschall Davaust kommt bei der Verfolgung der bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagene preußische Armee durch Jüterbog.
1813 Am 26. August retiriert die bei Großbeeren unterlegene französische Berlin-Armee unter Marschall Oudinot durch Jüterbog in Richtung Elbe. Dort neu formiert, zieht sie, nun unter Marschall Ney erneut gegen Berlin. Die "Armé de Berlin" wird am 6. September bei Dennewitz, kurz vor den Toren Jüterbogs, völlig aufgerieben, womit die Bedrohung der preußischen Haupstadt endgültig beendet ist.
1815 Im Ergebnis des Wiener Kongresses gehört Jüterbog zu dem Gebiet, das Sachsen an Preußen abgeben muß. Der sächsische Kreis Jüterbog wird mit dem preußischen Kreis Luckenwalde und weiteren Ortschaften zum neuen preußischen Landkreis Jüterbog-Luckenwalde vereint. Jüterbog wird Sitz des Landratsamtes und des Amtsgerichtes.
1830 Die Stadt hat rund 4.500 Einwohner in etwa 600 Häusern.
1841 Mit der Fertigstellung der Berlin-Anhalter-Eisenbahn am 1. Juli beginnt die Entwicklung Jüterbogs zu einem bedeutsamen Eisenbahnknotenpunkt. Dazu kamen 1893 die Strecke Jüterbog-Treuenbrietzen und somit die Verbindung zur Brandenburgischen Städtebahn, 1897 die Königliche Militär Eisenbahn Berlin-Kummersdorf-Jüterbog und 1900 die Kreiskleinbahnen von Jüterbog nach Luckenwalde und Dahme, wovon heute nur noch wenig übrig ist.
1848 Am 23. März kommt es im Zuge der revolutionären Bewegung auch in Jüterbog zu Unruhen. Eine Allgemeine Bürgerbewaffnung dient der „Aufrechterhaltung der Ordnung“. Bildung eines Hilfsvereins „gegen Brotmangel und Teuerung“.
1868 In Kloster Zinna wird am 11. März der Konsum-Verein "Ameise" gegründet, der damit der älteste in weiter Umgebung war.
1873 Am 23. Juni erfolgt unter Leitung des Berliner Berufsfeuerwehrmanns Koppehele die Bildung einer Jüterboger Freiwilligen Feuerwehr als gemeinnütziger Verein.
1879 Eine Grundbucheintragung vom 19. November besagt, daß der Scharfrichtereibesitzer Louis Ulrich an Stelle der jährlich an den Rat zu liefernden Handschuhe nun 5 Mark in bar als Abgabe zu zahlen hat.
1892 Der Bankier Apponius, der Abgeordnete Dr. Röseke und Gutsbesitzer v. Lochow auf Petkus „leiteten“, wie eine zeitgenössische Quelle sagt, „die ganzen politischen Bahnen auf die rechten Gleise, so daß damals Jüterbog von den Hetzern der Linken spottend 'die Hochburg der Konservativen genannt wurde’.“
1894 Im Juli wird aus dem „Allgemeinen Arbeiterverein“ ein Sozialdemokratischer Wahlverein gebildet.
1903 Eine Freiwillige Sanitätskolonne, die im Oktober gegründet wurde, ist die Keimzelle der heutigen DRK-Ortsgruppe Jüterbog.
1906 Neun Genossen, teilw. Mitglieder im Arbeiter-Gesangverein "Freiheitsklänge", gründen den Arbeiter-Radfahr-Verein "Wanderlust". Er bestand bis 1945 als Mitglied im Arbeiter-Radfahr-Bund "Solidarität".
1908 Der 1904 begonnene Erweiterungsbau des evangelischen Krankenhauses ist abgeschlossen.
1910 Die Stadt hat 7 632 Einwohner.
1912 Am 18. März verpflichtet sich die Stadt, auf ihre Kosten eine Brücke zwischen dem Kasernement Jüterbog 2 und den neuen Fuchsbergkasernen zu bauen. Wegen der Baukosten heißt sie im Volksmund "Millionenbrücke“.
1914 Während die Soldaten der Garnison an die Front ziehen, werden Kasernen, Schulen und Gaststätten wie auch das gerade neu errichtete Altenheim zu Behelfslazaretten.
1918 Mit den heimkehrenden Soldaten kommt die Revolution nach Jüterbog. Am 9. November entsteht ein Arbeiter- und Soldatenrat. Landrat v. Arnim erklärt seinerseits: „Der Fortgang des bürgerlichen Wirtschaftslebens ist sichergestellt, zur Beunruhigung liegt kein Anlaß vor.“
1921 Die Häuser der Stadt bekommen Elektroanschluß.
1928 Die seit 1897 verkehrende gleisgeführte Pferdebahn, eine der letzten Deutschlands, wird eingestellt und durch Linienbusse ersetzt.
1930 Eröffnung des Kreisheimatmuseums.
1931 Der Serienattentäter Sylvester Matuschka sprengt zwischen Grüna und Jüterbog ein Eisenbahngleis. Weil der betroffene D-Zug außerplanmäßig langsam fuhr, gab es bei dem Unglück nur wenige Verletzte.
1934/35 Infolge der Wiederaufrüstung Deutschlands nach Machtübernahme durch die NSDAP beginnt in Jüterbog ein enormer Bauboom. Neben Militärbauten wie Kasernen, Flugplätzen und einer Munitionsfabrik, entstehen zahlreiche Wohnsiedlungen, wie die Kappansiedlung (heute "Musikersiedlung" geannt), und die Siedlungen am Werderschen und Grünaer Weg. Die Stadt läßt zur Tuppenversorgung den seinerzeit modernsten Schlachthof Europas bauen.
1936 Eingemeindung des Vorortes Damm in die Stadt.
1939 Die Stadt hat 12.595 Einwohner.
1941 Die Stadt hat rund 14.000 Einwohner.
1945 Die Stadt, bisher weitgehend vom unmittelbaren Kriegsgeschehen verschont, wird am 18. April von der US-Air-Force in zwei Wellen bombardiert. Ziel sind die Bahnanlagen, wobei auch die Fuchsbergkasernen zum Teil zertrümmert werden. Zwei Tage später, am 20. April, nimmt die Rote Armee die Stadt ohne nennenswerten Widerstand ein.
1946 Durch die Bodenreform erhalten landarme Bauern und Heimatvertriebene eine neue Existenzgrundlage. Während die einen damit zu Haus und Hof kommen, werden andere, beispielsweise nur weil sie mehr als 100 ha besitzen, enteignet und aus ihrem Heimatdorf verjagt. Von der nun in Luckenwalde lokalisierten Kreisverwaltung werden in bilderstürmerischer Manier Schlösser, Gutshäuser und sogar Kirchen abgerissen. Umsiedler aus den Sudeten besiedeln auf dem Gutsbezirk Schießplatz Dorf Zinna und geben dem Ort den Namen "Neuheim". Deutsche aus Besarabien, die in den Warthegau umgesiedelt worden waren, werden nun wieder von den Polen aus deren Heimatgebiet vertrieben und übernehmen das vorher im Schießplatz aufgegangene Dorf Felgentreu. Häuser des seit 1937 ebenfalls zum Schießplatz gehörigen Ortes Mehldorf werden zur Baumaterialgewinnung abgerissen. Die Stadt Jüterbog hat 16.600 Einwohner, darunter sind mehr als 3000 Heimatvertriebene
1947 Allein mit der Legitimation als Siegermächte des 2. Weltkrieges lösen diese am 25. Februar den deutschen Bundesstaat Preußen formell auf. Damit wird aus der bisherigen preußischen Provinz Brandenburg das Land Brandenburg, das zugleich eine eigene Verfassung erhält.
1948 Auflösung des Flüchtlingslagers in den Fuchsbergkasernen, das seit 1944 Hunderttausenden zeitweilig Obdach gewährte. Diese wie auch alle anderen Kasernen und übrige Militärflächen werden von der Roten Armee in Beschlag genommen und für mehr als ein halbes Jahrhundert zum Sperrgebiet erklärt.
1949 Im Sommer erfolgt im Vorfeld der DDR-Gründung (7. Oktober) die Schaffung der Nationalen Front, einem Block aller Parteien und Massenorganisationen unter Führung der SED. Damit haben die Bürger bei den scheinbaren Abstimmungen nicht mehr die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Parteien und ihren Mitgliedern zu wählen. Somit wird in Jüterbog der Anspruch der Liberaldemokraten auf das Amt des Bürgermeisters, das sie 1946 bei den letzten relativ freien Wahlen erringen konnten, für die ganze DDR-Zeit festgeschrieben.
1950 Das Dorf Neumarkt wird eingemeindet.
1952 Mit Abschaffung der Länder in der DDR verschwindet das Land Brandenburg nach kaum fünf Jahren Existenz zugunsten der drei Bezirke Cottbus, Frankfurt/Oder und Potsdam. Aus dem preußischen Altkreis Jüterbog-Luckenwalde werden in etwa die Kreise Jüterbog, Luckenwalde und Zossen mit den Verwaltungssitzen in den jeweiligen Städten. Bei der Verwaltungsreform geht die Stadt Dahme/Mark weg vom Kreis Jüterbog in den Bezirk Cottbus und dafür kommt aus dem Altkreis Zauch-Belzig Treuenbrietzen in den Kreis Jüterbog.
1954 Neueröffnung des 1945 geplünderten und danach geschlossenen Heimatmuseums, jetzt im Abtshof am Planeberg. Im kommenden Jahr beruft die Stadt Gertrud Fink zur Leiterin des Hauses. Sie ist Ehefrau von Walter Fink dem Förderer der Jüterboger Heimatspiele. Sein Theaterstück „Klaus Totengräber“ wird bei den Heimatfestwochen 1954 zu letzten Mal aufgeführt.
1955 Die Stadt hat 14.529 Einwohner.
1957 Große Jubiläumsfeierlichkeiten: 950. Jahrestag der ersten schriftlichen Erwähnung Jüterbogs, 800 Jahre Zugehörigkeit zum Deutschen Reich und 650 Jahre Ersterwähnung der Kirche St. Nikolai. Die Handwerker der Schmiede-und-Schlosser-Innung stiften dem Bürgermeister eine Amtskette.
1961 Nach dem „Mauerbau“ (13. August) erfolgt eine erneute Terrorwelle gegen Andersdenkende mit einer Vielzahl von Gefängnis- und Zuchthausstrafen. Eine ganze Oberschulklasse gehört zu den Verhafteten. Die Bauern des Kreises sind mit teils drastischen Maßnahmen in LPGs gebracht.
1963 Auf der Kreiskleinbahn wird der Personenverkehr eingestellt.
1964 Anstelle der 1961 abgerissenen „Millionenbrücke“ ist jetzt ein schmaler Fußgängersteig über die Bahnanlagen zwischen Jüterbog 2 und den Fuchsbergen freigegeben worden.
1965 Die Kreiskleinbahn Jüterbog-Luckenwalde-Dahme stellt gänzlich den Verkehr ein.
1970 Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau der Poliklinik am Dammtor.
1974 Jüterbog feiert unter großer Anteilnahme der Bevölkerung den 800. Jahrestag der Stadtrechtsverleihung. Im Festumzug werden historische Bilder dargestellt, im Schloßpark treten bekannte Fernsehstars der DDR auf.
1978 Am 28. September erfolgt die Gründung vom Gemeindeverband Jüterbog, der 17 Ortschaften von Altes Lager bis Zellendorf umfaßt und eine Art Ämterbildung innerhalb des Kreises darstellt.
1985 Die zur Bibliothek und Konzerthalle rekonstruierte Mönchenkirche wird nach fünfjähriger Bauzeit feierlich eröffnet.
1987 Die Stadt hat 12.450 Einwohner.
1989 Im Mai holt Gorbatschow die in Jüterbog stationierte 32. Garde-Panzerdivision zurück nach Rußland. Am 30. Oktober gibt es erste Demonstrationen für mehr Demokratie. Die größte Protestkundgebung im Zuge der „Wende“ findet am 5. November mit rund 6.000 Teilnehmern auf dem Thälmann-Sportplatz statt. An dem geschichtsträchtigen 9. November sind mehr als Tausend Jüterboger in der Nikolaikirche zu einem Forum mit Vertretern der Staatsmacht als die Nachricht von der Maueröffnung eintritt. Die Versammlung einigt sich auf die doppelsinnige Losung: „Und wir bleiben hier!“
1990 Am 18. März haben die Menschen seit mehr als einem Jahrhundert wieder die Möglichkeit, an demokratischen Wahlen teilzunehmen. Vor allem im Ergebnis der Währungsunion (Einführung der D-Mark) zerfällt die bisherige Wirtschaftsstruktur. Viele der bisherigen volkseigenen Betriebe werden ersatzlos aufgelöst. Nur ein kleiner Teil kann sich auf dem Wege der Privatisierung in zumeist kleinerer Form behaupten. Am 2. März wird mit eine erste Städtepartnerschaft mit Waldbröl im Bergischen Land besiegelt.
1991 Am Ostersonnabend folgt eine zweite Städtepartnerschaftsvereinbarung, jetzt mit der hessischen Stadt Aßlar im Kreis Wetzlar. Beide Partnerstädte unterstützen Jüterbog beim Aufbau einer neuen Stadtverwaltung.
1993 Neue Großkreise ersetzen die 1952 geschaffene Verwaltungsstruktur. Die Kreise Jüterbog, Luckenwalde und Zossen gehen im Wesentlichen im Kreis Teltow-Fläming auf. Gegen die zuvor aufgestellte Regel, daß die Berlinfernste der bisherigen Kreisstädte den Verwaltungssitz bekommt, geht diese nicht nach Jüterbog, sondern nach Luckenwalde. Für Jüterbog findet damit einer über 800 Jahre Tradition, Hauptstadt der Region zu sein, ihr vorläufiges Ende.
1994 Mit Abzug der letzten russischen Einheit schließt sich das bisher letzte Kapitel der Garnisongeschichte. Konversion wird für die kommende Zeit eine der wichtigsten Aufgaben der Kommunalpolitik.
1995 Bis zu diesem Jahr ist Jüterbog mit im Gespräch als Standort für den neuen Großflughafen für die deutsche Hauptstadt. Das 1855 gegründete Johanniterkrankenhaus wird im großen Umfang saniert und später als zu klein erklärt und geschlossen.
1996 In der Stadt eröffnet erstmals eine Schuldnerberatungsstelle.
1997 Aus dem Anfang der 90er Jahre geschaffenen Amt Jüterbog, zu dem die Gemeinden Altes Lager, Grüna, Kloster Zinna, Markendorf/Fröhden, Neuheim, Neuhof und Werder gehören, wird gemäß einer Orientierung des Innenministeriums die Bildung einer Großgemeinde vorbereitet. Durch einen Bürgerentscheid scheidet Altes Lager dabei aus und wird Teil der Großgemeinde Niedergörsdorf. Die Stadt hat noch 11.363 Einwohner.
1998 Die durch Eingemeindungen vergrößerte Stadt Jüterbog hat zum 1. Januar 14.021 Einwohner. Im restaurierten alten Zollhaus von Kloster Zinna wird im Mai ein Webermuseum eröffnet.
1999 Im März wird beschlossen, daß Kloster Zinna zukünftig nicht mehr Standort einer Grundschule sein soll. Der 825. Jahrestag der Stadtrechtsverleihung ist Anlaß, daß Jüterbog am 3. Juli den Brandenburg Tag ausrichten kann. Am 2. Oktober veranstalten die Jüterboger einen großen historischen Festumzug zu ihren Stadtgeburtstag.
2001 Die Fuchsbergkasernen dienen als Kulisse für den Film von R. Polanski "Der Pianist". Die künstlich geschaffenen Ruinen werden später abgetragen.
2002 Am 22. Mai wird bei Bauarbeiten eine Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg am Oberhag gefunden und sorgt für große Aufregung in der Stadt.
2003 Im Mai können sich nach längerer Diskussion die Stadt Jüterbog und die Gemeinde Niedergörsdorf über Grenzbereinigung in Altes Lager einigen.
2005 Ende August wird nach umfangreichen Bauarbeiten im ehemaligen Franziskanerkloster das "Kulturquartier Mönchenkirche" eröffnet.
2007 Die Stadt begeht in diesem Jahr die Ersterwähnung des Stadtnamens vor 1000 Jahren. Ein Höhepunkt ist im April ein historischer Festumzug mit mehr als 1.500 Aktiven. Das Innenministerium entscheidet, daß die Jüterboger Polizeiwache zugunsten von Luckenwalde zu schließen ist.