Diese Seite wird überarbeitet. Jüterboger Weiße Nicolaikriche
henrik-schulze.de Jüterbogs Silouette jueterbook.de
 
   
 
 

Wenn der Groschen fällt - Eine vergessene Münze

verfaßt September 2005

1989 sehnten sich viele von uns nach der D-Mark. Umso größer war bei etlichen die Enttäuschung, die selbe gegen den Euro tauschen zu müssen. Obwohl der neue Euro den Wert von rund zwei D-Mark haben sollte, scheint namentlich in Gaststätten ein ganz anderer Umrechnungskurs gegolten zu haben.

Doch ein Blick in der Geschichte zeigt uns, daß Umrechnungskurse und der Wert der jeweiligen Währung schon immer ein Problem darstellten. Umgangssprachlich hieß noch bei der D-Mark das Zehnpfennigstück „Groschen“. Aber  Jüngere wissen heute mit dem Begriff schon nichts mehr anzufangen.

Sein Name kommt vom lat. Grossus = Dickpfennig. Es handelt sich um eines der ersten Silberstücke in Deutschland. Die Wertverringerung der bisherigen Pfennige und das Bedürfnis nach einer höherwertigen Münze für den Großverkehr ließ den Bedarf für ein Geldstück wie den Groschen aufkommen. König Wenzel von Böhmen (1278 – 1305) hat ersten „grossi pragenses“ (Prager Groschen) fertigen lassen. Sie wurden bald in anderen Teilen Deutschlands nachgeahmt. 1359 wurde in einer Urkunde in Treuenbrietzen für die Bäcker  festgeschrieben, „solange ein Schilling so viel gilt wie ein gewöhnlicher Groschen“.

Um 1360 hatten Berliner Groschen den 7 bis 8fachen Wert desselben Geldstücks von 1870 und Brandenburgische Groschen sogar den 10 bis 11fachen Wert. So kosteten zwei Stämme Holz um 1400 einen böhmischen Groschen, was 1871 rund fünf Silbergroschen entsprach. Bedenkt man, daß um 1900 ein Arbeiter am Tag 75 Pfennige bis maximal 300 Pfennige verdiente, kann im Vergleich zu heutigen Einkommen ermessen werden, wie hoch die Kaufkraft eines Groschens im ausgehenden Mittelalter war.

In einem Testament von 1370 wurden in Treuenbrietzen "fünf Schock breite Groschen" vermacht. 1375 waren 25 Schock (ein Schock sind 60 Stück) Groschen gleich 24 Mark Silber. Der Stadt Jüterbog kostete der Feldzug gegen die Quitzows, eine Raubritterfamilie, 150 Schock Groschen. Auf eine Schuldsumme von 28 Schock böhmische Groschen hatte 1441 Jüterbog einen jährlichen Zins von einem Schock zu entrichten. Bei Rückzahlung war ausdrücklich „Freiberger Münze“ als Währung vereinbart. Die Treuenbrietzener Marienkirche erhielt 1447 eine Stiftung von 50 Schock „märkischer Groschen“, darunter auch „Brietzener Münze“, also in der Stadt geprägte Groschen.

Als 1453 Jakob und Anna Schütte, Jüterboger Bürger, der Bruderschaft des Marienaltars in der Nikolaikirche eine Hufe Land in Lüttchenbochow vermachten, war als Preis vereinbart „12 Schock gute Meißner Groschen, jeder vier alte Kreuzgroschen wert“. Und als der Jüterboger Hans Stoltenhagen nebst seiner Frau Barbara 1461 der Kalandbruderschaft eine Wiese vor dem Neumarkttor überließ, geschah das für „fünf gute Groschen Freiberger Münze“. Die selbe Bruderschaft bekam 1464 von Jakob und Dorothea Busse eine Hufe „vor dem neuen Markt“ für „12 gute Groschen Freiberger Münze“ gegen die Benutzungserlaubnis von „zwei alten Schock Groschen“. Wobei vermutlich nicht „alte Schock“, sondern „alte Groschen“ gemeint waren.

1466 verordnete Erzbischof Theoderich zu Magdeburg, daß die nach den Visitationsprotokollen dem Erzbischof zustehenden Abgaben „in Währung der Mark Brandenburg“ zu erfüllen sind. Als 1483 der Herzog Ernst von Sachsen das Grundstücksgeschäft des Jüterboger Bürgers Hermann Schultz sanktionierte, war ein Kaufpreis von 120 rheinischen Gulden vereinbart. Die Anwendung dieser fremden Währung ist wohl im Zusammenhang mit der Mitteilung des Administrators zu Magdeburg und Herzog zu Sachsen, Ernst, an die Stadt Jüterbog zu sehen, der vier Jahre später mitteilte, daß in Leipzig und anderen Orten die neuen böhmischen Groschen nicht mehr den vollen Wert besitzen. Als 1494 Leves Aldehans einem Altaristen von St. Nikolai ein Lehen verkauft, werden dafür 20 Schock  „schwere Münze“ berechnet. 1499 verkauften Thomas und Brigitte Ziegelmann ihren Garten an die Kapellherrn bei St. Nikolai für „18 schwere Schock  zu Berliner Pfennigen auf einen Groschen“.

Im Stadtarchiv Jüterbog belegt eine Urkunde von 1527 einen Grundstückverkauf des Bürgers Jürgen Schild für „zwei rheinische Gulden und 32 märkische Groschen“. Zehn Jahre später pachtet die Stadt Treuenbrietzen ihre eigene Stadtpfarre vom Domkapitel Tangermünder für „13 märkische Schock“. Eine Stiftung in Treuenbrietzen umfaßte 1547 einhundert Gulden „in ganghafter Münze“. Und als die Nachbarstadt 1565 das Stadtschulzenamt kaufte, betrug der Preis 807 Gulden märkischer Währung mit der Erklärung „32 märkische Groschen auf den Gulden“. 1580 borgte sich Treuenbrietzen vom Zerbster Pastor 1000 Taler „an guten, harten unverbottenen, vollgeltenen Thalern, deren jeder 24 Silbergroschen gelten thut“.

1684 kostete in Treuenbrietzen ein Pferd 12 Taler,  ein Ochse neun Taler, eine Kuh fünf Taler, ein großes Schwein zwei Taler, eine Gans sechs Groschen und ein Huhn zwei Groschen. Diese verhältnismäßig hohen Preise sind sicher Folge des Dreißigjährigen Krieges gewesen. 1720 wurde „ein Gulden Meißnisch zu 21 Groschen“ gerechnet. Wegen schlechter Witterung gab es 1739 ein Teuerung, die das Bund Stroh fünf Groschen kosten ließ. Eine weitere Teuerung aus dem Jahr 1771 ließ den Scheffel Korn (Roggen) drei Taler, den Scheffel Weizen drei und ein halb Taler, die Metze Erbsen oder Linsen jeweils sechs Groschen kosten.

Der Groschen war anfänglich auf einen vierundzwanzigstel Taler zu 12 Pfennigen definiert. Im Preußen trat 1821 an seine Stelle der Silbergroschen zu einem dreißigsten Teil eines Talers, der später von fast allen anderen deutschen Staaten übernommen wurde. Als Neugroschen umfaßte er nur noch 10 Pfennige. In Süddeutschland bildete das Dreikreuzerstück das Pendant zum Groschen war der zwanzigste Teil eines Guldens.

Mit der am 1. Januar 1876 eingeführten einheitlichen Markwährung im Deutschen Reich – übrigens nach dem Gestaltungsmuster von Kullrich aus Dahme geprägt – hörte die Rechnung nach dem Groschen auf. Und dennoch ist  der Groschen nach mehr als 100 Jahre später noch nicht vergessen und beim Volk weiterhin im Sprachgebrauch.