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Stadtjubiläum vor 50 Jahren (1957)

verfaßt 2006

Im kommenden Jahr können wir die 1000-Jahr-Feier der Ersterwähnung des Jüterboger Ortsnamens begehen. 1957 wurde in unserer Stadt mit großem Aufwand der „950 Jahre Jüterbog“ gedacht. Neben der Ersterwähnung unseres Ortsnamens im Jahre 1007 jähren sich im gleichen Zyklus die Zugehörigkeit zum deutschen Staatsverband (1157) und die Ersterwähnung der Nikolaikirche (1307).

Schon um aus der Erfahrung der Vergangenheit zu lernen, was die Generation vor uns in der Stadt zu Wege brachte, lohnt sich eine Rückschau. Zunächst ist eine knapp 40 Seiten umfassende Festschrift herausgegeben worden, deren umfassender Anzeigenteil sich heute sicher interessanter zeigt als damals. Gibt er doch einen guten Überblick zum Wirtschaftsleben Ende der 50er Jahre in Jüterbog als noch ein nennenswerter privater Anteil im Handel und Dienstleistung vorhanden war.

Das Jüterboger Heimatfest 1957 zog sich hin vom 15. Juni bis zum 8. Juli. Den Auftakt bildete ein Strauß-Millöcker-Abend des Staatlichen Kulturorchesters im Saal des Bürgergartens. Das (eigentlich Potsdamer) Orchester unter Leitung von Alexander Nemeti war über Jahre in unserer Stadt zu Hause und trug damals dadurch sehr zur Unterhaltung und musischen Bildung der Bürgerschaft bei. Am Sonntag, dem 16. Juni, veranstaltete die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) eine Motorrad-Geschicklichkeitsfahrt rund um das Rathaus. Am gleichen Tag hatte das Theaterstück „Der märkische Eulenspiegel“ auf der Heimatspielbühne beim Landratsamt Uraufführung. Wer die erste Vorstellung verpaßt hatte, konnte das Stück noch an sechs weiteren Abenden in den kommenden zwei Wochen sehen. Das zeigt, wie groß das Publikumsinteresse an diesen Aufführungen gewesen sein muß.

Am 29. Juni gab das Essener Kammerorchester im Bürgergarten ein Gastkonzert. Ein Zeichen, daß zu der Zeit noch die Zeile vom „Deutschland, einig Vaterland“ in der DDR-Nationalhymne nicht nur gesungen, sondern auch ernst genommen wurde. Am Sonntag, dem 30. Juni, fand für die Stadt bereits um 7.00 Uhr ein Wecken statt, denn um 8.00 Uhr begann die Festsitzung im Rathaus-Sitzungssaal unter Mitwirkung von vier Chören (Jüterbog, Neumarkt, Markendorf und Kloster Zinna) und dem Staatlichen Orchester. Um 9.30 Uhr gab es einen Sängerwettstreit im Bürgergarten, zu dem ein Pokal ausgelobt war.

Um 14.00 Uhr nahm das Volk Aufstellung zum großen Festumzug. 15 verschiedene Gruppen zeigten Episoden aus der Stadtgeschichte. Dem folgte ein Teil zur Gegenwart, wo wirtschaftliche und gesellschaftliche Erfolge zur Schau gestellt werden sollten. Nach dem zweistündigen Umzug begann das Volksfest mit Darbietungen von Volkskunstgruppen aus dem Kreis. Eine Modenschau, die Ziehung der Lotto-Zahlen von der Heimatfest-Lotterie und Tanz im Gesellschaftshaus gehörten zum Unterhaltungsangebot. Als Ausklang fand auf dem Platz der Jugend, wie damals der Markt hieß, eine öffentliche Tanzveranstaltung statt, zu dem nicht nur das Jüterboger Orchester, sondern auch das Potsdamer Standortorchester der Nationalen Streitkräfte aufspielten. Mit der sechsmaligen Aufführung des Stücks „Die lustigen Weiber“ auf der Heimatspielbühne bis zum 8. Juli fanden die Feierlichkeiten ihre Fortsetzung bzw. den Abschluß.

Henrik Schulze