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Zur Bildungspolitik

September 2003 Leserbrief veröffentlicht in MAZ am 22.9.03 "Für die Elite Privatschulen"

Regelmäßig beklagen Leser das Bildungssystem unseres Landes, wie schlimm der gegenwärtige Zustand ist. Man diskutiert Reformen und stellt dann doch wieder fest: Es wird scheinbar schlechter statt besser.

Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob dahinter Absicht steht. Dafür gäbe es plausible Gründe. Immer größer wird die Schere zwischen Arm und Reich. Die soziale Ungerechtigkeit ist himmelschreiend. Das funktioniert nur so weiter, wenn die Leidtragenden ihre Lage und Möglichkeiten zur Änderung nicht überschauen können. Es ist tatsächlich systemerhaltend, wenn ein wachsender Teil des Volkes, dem sinnvolle Arbeit nicht geboten werden kann, auf unterem geistigen Niveau gehalten wird. Dabei kann die Rezeption philosophischer Schriften nur kontraproduktiv sein. Es reicht als Unterhaltung, die TV-Fernbedienung zu handhaben, sich Seifenopern und primitive Streitgespräche von Debilen und Asozialen, die mit ihren Konflikten pervers zu Schau gestellt werden, anzusehen. Das gibt dem unbedarften Zuschauer das wohlige Gefühl, noch nicht so tief gesunken zu sein.

Und selbst die Masse derer, die noch Arbeit habt, kommt mehr und mehr ohne höhrere Bildung aus. Dank moderner Produktionsmethoden ist ein wachsender Teil der Arbeitsschritte immer simpler zu vollziehen. Daher kann man die einst an eine hochqualifizierte Arbeiterschaft gekoppelte Produktion in die Billigländer der Dritten Welt verlegen.

Die wenigen Eliten, die noch gebraucht werden für Politik und Wirtschaftsführung, absolvieren Privatschulen der Sonderklasse, wo das ansonsten abgeschaffte Leistungsprinzip in höchster Vollendung angewendet wird. Beim Rest kann in staatlichen Schulen Drogenkonsum, ja sogar Drogehandel, als "lebensnaher" Bildungsinhalt auf dem Lehrplan stehen, wie unlängst noch im Land Brandenburg.