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Trennungsgeld für Westbeamte, "Buschzulage", und deren unredliche Abrechnung

2004, Januar: Schreiben an den Herausgeber der MAZ als Verfasser eines Kommentars

Sehr geehrter Herr Gauland,

Ihr Kommentar in der MAZ vom 29. Januar löste bei allen Leuten, mit denen ich darüber sprach (und das waren sehr viele!) völliges Unverständnis, bestenfalls sehr bitteres Gelächter aus. Mit ziemlicher Sicherheit haben Sie die selbe politisch-geographische Herkunft wie die in Rede stehenden Personen, gehören auch der selben politisch-sozialen Klasse an, haben vermutlich sogar schon manche Schnittchen miteinander gegessen. Da nimmt es nicht wunder, wenn Sie  aus Solidarität Ihre Bekannten in Schutz nehmen. Das ist jedoch ein Job, um den ich Sie nicht beneide. Denn die Schwierigkeit der Materie besteht darin, plausible Entschuldigungsgründe zu finden. Und da hatten Sie mit Sicherheit keine glückliche Hand.

„Es ist nicht Aufgabe eines Oberlandesgerichtspräsidenten oder eines Generalstaatsanwaltes, Trennungsgeld nachzurechnen. Dafür werden sie nicht bezahlt.“ Wenn Sie meinen, daß das geringe Salär der genannten Herren dafür nicht ausreicht, das eigene Geld nachzuzählen, dann ist das Ihr Standpunkt. Doch unstrittig sollte wohl sein, Zusatzbezüge bekommt nur der, der sie auch beantragt hat. Keine der betreffenden Personen wird wohl gegen seinen Willen und ohne sein Wissen Zuschläge bekommen haben. Und spätestens bei studierten Juristen sollte das Wissen darüber vorhanden sein, was einem rechtens zusteht und was nicht.

Das Problem scheint viel grundsätzlicher zu sein. Welcher Art waren denn viele der Beamten, die vor rund zehn Jahren der Verlockung des „Buschgeldes“ nicht widerstehen konnten? Es waren Leute, die vermutlich aus gutem Grund zu Hause vergeblich auf die gewünschte Beförderung gewartet haben. Es waren Leute, die von ihren Vorgesetzten delegiert, „weggelobt“ wurden, weil man im Westen gut auf sie verzichten konnte. Das ist einerseits rein menschlich und verständlich, es ist nur traurig für die „Empfängerländer“. Gern hätte ich mehr von denen getroffen, die wirklich aus Überzeugung, aus dem guten Willen in den Osten gegangen sind, um hier etwas zum Guten zu verändern. Schauen Sie sich doch die Skandale mit solchen Leuten in Brandenburg der letzten Jahre an. Ich muß Sie sie Ihnen sicher nicht alle aufzählen. Es stand alles ja in Ihrer Zeitung zu lesen. (Wobei ich gern zugebe, daß es auch genügend Raffkes und Inkompetente unter den hier gebürtigen Amtsträgern gab.)

In der Hoffnung, daß Sie nicht so bald nicht wieder in die verzweifelte Lage kommen, derartige Verhaltensweisen schönreden zu müssen, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen...