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Zum Umgang mit Denkmalen in Jüterbog 2

29. Mai 2008 Leserpost zu den Zeitungsbeiträgen „Schwerter zu Touristenscharen“ (MAZ 14.5.2008) und „Was weg ist, ist weg – für immer“ (MAZ 16.5.2008)

14.00 Uhr war als Beginn des „Ortsgespräches“ zu Geschichte und Gegenwart von Jüterbog 2 angesetzt. Wollten die Akteure der Veranstaltung nur ihren Feierabend nicht verpassen oder ging es darum, unter sich zu bleiben, in dem die Veranstaltung werktags in die normale Arbeitszeit gelegt worden ist? Dabei hätte es so manche Frage gegeben, die öffentlich diskutiert werden sollte. Einige Grundbesitzer in Jüterbog 2 spekulierten vor rund zehn Jahren auf steigende Bodenpreise, falls der Flughafen Berlin-Brandenburg nach Jüterbog kommen werde. Der Airport hat sich erledigt, der Gewinn damit auch.  Nun schieben die „Investoren“ den  Verlust an uns Bürger. Und das ist auch noch verbunden mit einem enormen Verlust an Kulturgut. Wo war zum Beispiel der Denkmalschutz, als das monumentale Kalaschinikow-Bajonett, das die Traditionswand der Poltawa-Division an der Hauptwache flankierte, privat verhökert worden ist? Da klagt heute der Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege, „wenn ein Denkmal hier verschwindet, dann ist es auch unwiederbringlich verloren“(MAZ 16.5.08). Doch wo war seine Behörde, als die Turmkaserne zur Schrottgewinnung ruiniert worden ist? Jüterboger Ladenbesitzer werden gemaßregelt, wenn ein Werbeschild nicht ins Stadtbild paßt. In Jüterbog 2 gelten diese hohen Maßstäbe scheinbar nicht. Anfang Februar 2005 wurde die markante Turmkaserne eingerissen, um angeblich Passanten vor herabfallenden Dachziegeln zu schützen. Tatsächlich sind die einen enormen Schrottpreis verkörpernden Stahlträger herausgenommen worden, zurück blieb eine gräßliche Ruine. „Nur Barbaren zerstören so etwas“ heißt es von der Unteren Denkmalschutzbehörde (MAZ 4.2.05). Auch sprach man seitens der Kreisverwaltung von „Straftat“ (MAZ 4.2.05) sowie „illegalen Abriß“ (MAZ 8.2.05). Nun glaubt der Bürger, daß es dafür eine angemessene Strafe gegeben hätte. Doch weit gefehlt! Anstatt Sanktionen für den Frevel gab’s kurz darauf von der Kreisverwaltung die Erlaubnis, auch noch die dazugehörigen Pferdeställe einzureißen, nachdem die wertvollen gußeisernen Säulen gewinnbringend vermarktet worden sind. Da vermutet man sehr gute Freunde in den Amtsstuben. Zurück blieb eine häßliche Ruinenlandschaft. Jetzt, wo für den Eigentümer aus den Resten nichts mehr herauszuholen war, kauft ihm die Stadt freundlicherweise Teile der Trümmerlandschaft ab. Und wir alle tragen dafür die Kosten. Insgesamt will man eine Million Euro dafür investieren (MAZ 18.2.05), allein im ersten Bauabschnitt waren es 620 000 Euro, wovon die arg gebeutelte Stadtkasse 20 % zu übernehmen hat (MAZ 4./5.5.05.). Weitere Sicherungsmaßnahmen an umliegenden Gebäuden hatte die Untere Bauaufsicht „wegen der Zahlungsunfähigkeit des Vorbesitzers vorfinanziert“ (MAZ 18.2.05). Mit dem seltsamen Titel „Viertes Tor der Stadt“ soll an der Stelle der Pferdeställe ein Parkplatz entstehen, den da eigentlich niemand braucht. Anders waren aber keine Fördermittel (sprich unsere Steuergelder) dazu zu beschaffen (MAZ 12.7.05). Nicht viel besser sieht es aus mit der Neuen Artillerieschule. Dieser Eigentümer gilt als „nicht erreichbar“, um die Pflicht genommen zu werden. Ein Bruchteil der Kosten der vielen teuren Planungsstudien für die Zukunft von Jüterbog 2 hätte ausgereicht, sich die nötigen Daten aus dem Handelregister zu holen, um den Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ in die Tat umzusetzen. Statt dessen soll laut Planungsbüro ein touristischer Wanderpfad durch eine „inszenierte Ruinenlandschaft“ (MAZ 16.5.08) angelegt werden. Sicher hat die profunde Kennerin der Jüterboger Garnisongeschichte mit ihren Stelen vor, auch eine Tafel dem Thema Konversion zu widmen. Darauf könnte zum Beispiel stehen: „Wertvolle Baudenkmale von Spekulanten mit behördlicher Duldung dem Verfall preisgegeben.“