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Russische Tupolew rast in eine Frachtmaschine

16. Juli 2002 Leserbrief zu dem Bericht der MAZ

Geistige Manipulation in scheinbar gleichgeschalteter Presse.

Am 1. Juli stießen in Süddeutschland zwei Flugzeuge zusammen. Die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) titelte am 3. Juli: "Russische Tupolew rast in eine Frachtmaschine". Damit stand fest, wer da wen rammte, wer hier die Zivilisation und wer das Chaos repräsentiert. In einem Leserbrief charakterisierte Harald Kretzschmar bereits am 5. Juli die unseriöse Berichterstattung der MAZ, wonach russische Piloten lediglich englische Schimpfworte verständen. Zur "Ehrenrettung" der MAZ sei gesagt, auch in diesem Fall war nahezu die gesamte deutsche Journaille wieder wie gleichgeschaltet: Die Russen fliegen grundsätzlich nur alte rostige Flugzeuge, die auch noch unzureichend gewartet werden, und die Piloten sind zu dumm, englisch zu reden. Gleich am Tag nach dem Unglück wußte die Zeitung mit den großen Buchstaben, der russische Pilot hatte geschlafen, mußte erst von den Fluglotsen geweckt werden. Dreimal war die "Schlafmütze" angesprochen worden ehe er - schließlich zu spät - der Boeing Platz machte.

Als sich herausstellte, daß die drei Warnungen des Fluglotsen lediglich Sekunden vor dem Crash erfolgten und der Pilot der - viel zu späten - Forderung nach Kurswechsel unverzüglich folgte, da war es dann die mangelhafte Ausstattung der Tupolew mit technischen Sicherungssystemen.

Als sich aber herausstellte, daß auch eine Tupolew - ebenso wie die Boeing - ein Crash-Warngerät hat, da konnte es nur sein, daß das Ding bei den Russen nicht funktionierte. Es war bestimmt nicht angeschaltet oder kaputt.

Als sich aber herausstellte, daß auch das russische Warngerät sehr wohl funktionierte und dem Piloten die richtige Anweisung gab, da war wieder der russische Pilot schuld. Er hätte seinem Gerät Folge leisten müssen und nicht dem Fluglotsen. Da haben wir es wieder! Die Gefahr kommt immer aus dem Osten.

Dieser Text wurde am 19. Juli in der MAZ veröffentlicht, lediglich den abschließenden Büchertipp hat die Leserbriefredaktion weggelassen: "Udo Ulfkotte: So lügen Journalisten. Der Kampf um Quoten und Auflagen. Bertelsmann-Verlag 2001."

Außerdem musste die MAZ am 28.8.02 eingestehen, daß tatsächlich die Boeing die Tupolew rammte und das, weil die Fluglotsen in der Schweiz einen schlampigen Dienst versehen hatten. Doch das erfolgte dann nicht mehr auf Seite 1, wie die o .g. propagandistischen Falschmeldungen. Fünf Jahre später, im Jahre 2007, war das Thema juristisch aufgearbeitet und damit die Schlagzeilen der deutschen Presse aus dem Jahre 2002 als böse Propaganda entlarvt.