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Bezug: MAZ vom 27. Febr.: „Thierse: Urteil 'asozial'"die darauf folgende Leserdiskussion der letzten Tage

Täglich melden sich Leser zu Wort, die die Verurteilung einer Verkäuferin wegen der möglichen Unterschlagung von 1,30 Euro als ungerecht und in Gemeinschaft mit Herren Thierse als unsozial empfinden. Dabei war m. E. das Urteil offensichtlich im juristischen Sinne rechtens und sogar im philosophischen Sinne gesetzmäßig. Es stimmt genau mit dem überein, was ich vor gut 40 Jahren in der Schule gelernt habe. Denn das Recht ist nichts Übernatürliches, sondern der materiell bedingte Wille der herrschenden Klasse. Und Verkäuferinnen gehören nun mal in dieser kapitalistischen Welt nicht gerade zu einer privilegierten Klasse. Würde es ein allgemeines Naturrecht und damit eine für jedermann gleichermaßen geltende Gerechtigkeit geben, dann gäbe es nicht nur Überwachungskameras in den Umkleideräumen der Verkäuferinnen, sondern auch welche in den Büros der Bankvorstände. Dann müßten wir jetzt nicht alle zusammen die Zeche dafür zahlen, weil skrupellose Bankmanager zusammen mit Rating-Agenturen im Stile einer organisierten Kriminalität faule Kredite als vorzügliche Kapitalwerte weltweit zum Schaden aller verkauft hatten. Dann würde es jetzt Schadensersatzklagen gegen die Verursacher und eine grundsätzliche juristische Aufarbeitung der Geschichte geben. Doch davon ist seitens der Politik nicht zu hören. Statt dessen gehört nicht viel prophetische Begabung dazu vorherzusagen, daß die gleiche Justiz, die der Verkäuferin wegen 1,30 Euro die Existenz genommen hat, dem früheren Vorstandsvorsitzenden der pleitegegangenen Hypo Real Estate, Georg Funke, die ausstehenden Gehaltszahlungen von 3,5 Millionen Euro zubilligen wird. Und auch das wird, wie oben gezeigt, wieder rechtens und gesetzmäßig sein.

Diese Leserzuschrift wurde am 12. März 2009 veröffentlicht.