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Carl Gottlieb Ettmüller 1731 - 1810

Sittenstrenger und rechtschaffender Mann

H. J. Göbel

Carl Gottlieb Ettmüller wurde am 2. April 1731 in Zittau als Sohn eine promovierten Stadtsyndikus geboren. Er schlug die Laufbahn eines Offiziers der sächsischen Armee ein und kam 1746 in die Garnison Jüterbog zum Regiment Minkwitz. Hier weihte er am 4. September 1752 die neue Hauptwache in der Gerichtslaube vor dem Rathaus ein, wo er zugleich die „erste Wache mit völliger Janitscharenmusik daselbst aufgeführt“.

Jeweils zwei Kompanien des Regiments lagen in Jüterbog und Dahme. Als 1754 auch die Jüterboger Kompanien nach Dahme verlegt werden sollten, war das für Ettmüller der Auslöser, seinen Abschied vom Militär zu nehmen. Als Kaufmann fand er in Jüterbog eine neue Aufgabe. Im gleichen Jahr heiratete Ettmüller die Tochter des Stadtschreibers und späteren Bürgermeisters Nikolaus Wilmersdorff.

„Aber er strebte nach höherem. Als Offizier hatte er gelernt, taktisch zu denken und zielstrebig zu handeln, und er verstand es, Menschen zu führen“, schreibt Superintendent H. J. Göbel über ihn. Im Siebenjährigen Krieg, zu dessen Anfang 1756 Friedrich der Große Jüterbog einnahm, hatte Ettmüller die Gelegenheit, sich hervorzutun. Als das preußische Kriegsministerium von der Stadt 18 Rekruten für das preußische Heer forderte, die zur Festung Magdeburg zu bringen waren, wagte es zunächst niemand, die „gefährliche Ablieferung zu übernehmen“. Der ehemalige Offizier Ettmüller trat hervor, doch nur „unter Versprechung, ihm bey eintretender Vacanz in das Raths-Collegium zu nehmen“. In eisiger Winterskälte erfüllte Ettmüller die Pflicht der Stadt und damit seinen Teil der Vereinbarung.

Im weiteren Verlauf des Krieges forderte Friedrich der Große, der zwei Jahre später ein Regiment in Dahme stationierte, von einen Tag auf den anderen von Jüterbog eine Zahlung von 4000 Talern „bey Feuer und Schwerdt“. Ettmüller, der sich wieder bereit erklärte, die Aufgabe für die Stadt zu übernehmen, geriet bei Dahme in ein Scharmützel zwischen der Nachhut des preußischen Regiments und kaiserlicher Husaren. Trotz der widrigen Umstände kann er sich in Sicherheit bringen und die große Summe Geldes retten.

1762 wurde Ettmüller zunächst Schöppe und kam bald darauf wunschgemäß in das Rats-Collegium an und trug somit den Titel eines Senators von Jüterbog. Und wieder wird sein Einsatz für die Stadt in dem Krieg eingefordert. Jetzt verlangte der preußische König 72 Rekruten nach Leipzig zu liefern. Ettmüller schaffte es nach langen und komplizierten Verhandlungen die Soldatenlieferung mit einer Summe von 3000 Reichstalern abzulösen. Hinzu kamen 1500 Reichstaler für Artilleriepferde und andere Güter.  „Geld statt Menschenleben!“ stellt sein Biograph Göbel anerkennend fest.

Doch die Kontributionsforderungen an Sachsen nahmen kein Ende. Nun sollte der Jüterboger Landkreis eine Summe von  29400 Reichstalern an „Brandschatzungsgelder“ aufbringen. Der Senator Ettmüller fuhr nach Querfurt, um mit der preußischen Militäradministration mildere Forderung auszuhandeln, was ihm auch gelang.

Im Bayrischen Erbfolgekrieg von 1778/79, wobei Sachsen diesmal gemeinsam mit Preußen gegen den Kaiser antrat, war wiederum die Diplomatie und politische Kunst des Senators gefragt. Als die Stadt 1300 Reichstaler Kriegssteuer aufbringen mußte, entwickelte Ettmüller die Idee, anstatt einen neuen Kredit aufzunehmen, eine höhere Biersteuer einzuführen. Den Vorschlag konnte er trotz des Widerstandes des Bürgermeisters beim Senatskollegium durchsetzen. Obwohl dies einen Eingriff die kurfürstliche Steuerhoheit darstellte, erhielt Ettmüller gegen den Einwand der einiger alteingesessener Senatoren die 1783 Ernennung zum Bürgermeister und Stadtrichter.

1794 verfaßte er (lt. M. Wald – nach E. Sturtevant war es um 1800) seine "Annales der Kreis-Stadt Jüterbog" in Form von zwei stattlichen handschriftlichen Bänden.

1779 war seine Frau Johanna Maria gestorben. Aus der Ehe war eine Tochter hervorgegangen. Nach einem Trauerjahr heiratete er Anna Sophie Richter. Am 24. Juni 1810 verstarb Carl Gottlieb Ettmüller im Alter von 79 Jahren.

Bald nach seinem Tod brachte am 5. August 1810 die Witwe die beiden Chronikbände dem Rat der Stadt. Dieser beschloß, das Werk „zum stäten Andenken seines Verfassers in der gewöhnlichen Sessionsstube (dem Sitzungssaal) aufzubewahren, auch die schätzbaren Nachrichten jederzeit durch eines der Mitglieder fortsetzten zu lassen“. Und tatsächlich gab es bis 1824 Nachträge zu seinem Text.

"Weil Ettmüller viele Originalurkunden einsehen konnte, die heute verloren sind, bleibt seine Chronik auch bei – aus heutiger Sicht – einigen Ungenauigkeiten ein unverzichtbares Dokument der Geschichte Jüterbogs." (H. J. Göbel)